BFW Winter 2015

Mode & Stil Konferenz des ZEITmagazins: "Berlin fehlt viel Mut"

27.01.2015 / 11:00 Uhr

Die Berlin Fashion Week befindet sich derzeit auf einem Scheideweg. Das ist die Meinung von Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Vogue, die sie auf der Mode & Stil Konferenz im Kronprinzenpalais während der Modewoche mit ausgewählten Journalisten und Profashionals teilte. Unter dem Motto „Fashion loves Berlin“ veranstaltete das ZEITmagazin gemeinsam mit der Vogue Germany eine Konferenz, zu der sowohl internationale als auch deutsche Gäste der Modebranche geladen waren.

Die Mode & Stil Konferenz im Kronprinzenpalais kurz vor Beginn der Veranstaltung.

Tillmann Prüfer, Style Director des ZEITmagazins, lobt Christiane Arp als „Fürkämpferin“ der Berlin Fashion Week und glaubt auch selbst stark an die deutsche Mode. Zudem hofft er, dass die deutsche Mode selbst auch endlich an sich glaubt. Das Wichtigste sei laut Arp der Überraschungseffekt. Die Designer müssen überraschen und etwas Neues zulassen. In der deutschen Modebranche sieht sie großes Potenzial, bemerkt aber auch eine fehlende Leichtigkeit und die zu angestrengte Suche nach einem Vorreiter.

Opening Installation von Eduard Dressler bei einem Auftakt von Till Brönner, Fotograf und Jazz-Trompeter

Christiane Arp ist Schirmherrin des German Fashion Design Councils

Zudem verkündet Christiane Arp an diesem Abend ihre Schirmherrschaft für den German Fashion Design Council (GFDC), dessen Aufgabe es sein wird den Fokus auf Mode als Kultur- und Wirtschaftsgut zu legen und die mediale Aufmerksamkeit der Berliner Modeszene zu steigern. Ein großer und vielversprechender Schritt in die richtige Richtung.

Christiane Arp beim Bühnengespräch zum Thema "Warum brauchen wir die Modestadt Berlin?"

„Ich werde höchstpersönlich mit dem Rosenzüchten beginnen, sollte die Berlin Fashion Week durch den Zusammenschluss des GFDCs seinen Ruf in der internationalen Branche nicht verbessern können", so die Chefredakteurin der deutschen Vogue.

Berlin zählt namhafte Designer zu seinem Repertoire

Dass Gras nicht besser wächst, wenn man daran zieht, weiß auch Anita Tillmann, Chefin der Modemesse Premium. Lange musste sie weniger Zuspruch als Gegenspruch ertragen und Saison für Saison um Anerkennung kämpfen - wie die Berlin Fashion Week. Zu unserem Glück zählen einige wichtige und talentierte Designer zum Berliner Repertoire und legen damit einen wichtigen Grundstein. Neben vielen weiteren Talenten gehören vor allem Annelie Augustin und Odély Teboul mit ihrem Label Augustin Teboul dazu. Die jungen Designerinnen hätten hart gearbeitet, um den Wechsel von ihrem damaligen Standort Paris nach Berlin zu schaffen, so Augustin. Die Berlin Fashion Week punkte bei den Beiden vor allem mit ihrer Attitüde und Neugier, dennoch müssen sie den Einwänden von Andrea Karg, Designerin bei Allude zustimmen: „Berlin fehlt eine spezifische DNA und Mut, viel Mut.“ Eine DNA muss sich zunächst einmal entwickeln und vielleicht ist das der Grund, warum Berlin so viel Spott und Kritik einsprechen muss. Ist die Branche also einfach noch nicht reif für Berlin, oder Berlin noch nicht reif genug um mitzuhalten?

Der Berliner Mode fehlt der Überraschungseffekt

Laut Ruth Chapman von matchesfashion.com unternimmt Berlin einfach zu wenig für seine Bekanntheit. Die Designer würden zu wenige Einladungen an internationale und damit wichtige Einkäufer senden, die digitale Präsenz ließe zu wünschen übrig und auch die einzigartigen Ideen mit viel Persönlichkeit, Mut und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis wären an einer Hand abzuzählen.

Mario Testino spricht über seine Liebe zu Berlin und dass er gerne einmal Angela Merkel fotografieren würde, um sie zum Lächeln zu bringen

Auch Mario Testino ist an diesem Nachmittag zu Gast und verkündet seine Sympathie für die Hauptstadt. Neben London und Rio de Janeiro gehöre Berlin zu seinen Lieblingsstädten. Unsere Hauptstadt sei voller begabter Künstler und Ateliers, junger und lebendiger Designer sowie Promis. Die Modebranche sei in seinen Augen einfach furchtbar schnelllebig: „The moment you love red, blue is in.“ Als wohl bekanntester Modefotograf der Welt ist er natürlich mit der Branchensituation vertraut und weiß um die kritisierte Position der Modewoche. Laut Testino gibt es in Berlin "no real fashion". Das kann man sowohl positiv, als auch negativ deuten. Nichtsdestotrotz fühlt sich der Peruaner in natura am wohlsten und verzichtet auch gerne einmal auf die für ihn bei der Fotografie sonst so wichtige Kleidung.

„The Berlins could do a lot more noise!” - Ruth Chapman

Das Resümee der Mode & Stil Konferenz wird an diesem Tag von Ruth Chapman sehr gelungen zusammengefasst: „The Berlins could do a lot more noise!“ Diese Aussage, ebenso wie viele weitere Gespräche innerhalb der Konferenz zeigen, dass Berlin auf dem richtigen Weg ist und eigentlich nur noch der Schlüssel zum Glück fehlt. Berlin habe international keinen schlechten Ruf, vor allem nicht in der Künstlerszene. Es stecke viel Potenzial in der deutschen Mode, doch sie werde nicht richtig genutzt. Der Funke springe einfach nicht über.

Angeregte Gespräche unter den Gästen der Mode & Stil Konferenz in Berlin.

Also liebe Designer, Modeschöpfer und die, die es werden wollen: Seid laut, einzigartig und ihr selbst. Vertraut in euch selbst, in eure Mode, eure Ideen und euer Können. Tretet selbstbewusst auf, überrascht, glaubt an euch und die Branche wird euch lieben. Seid Berlin und findet heraus, was das bedeutet.

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