BFW Sommer 2018

Mode und Migration: Willkommen in Utopia des AMD-Projekts TRACES

Bettina-Isabelle Müller
Von Bettina-Isabelle Müller
08.07.2017 / 10:00 Uhr

„Mode ist eine überzeugte Europäerin, eine Grenzgängerin, die auch gern mal Barrieren überschreitet und Menschen eine Heimat gibt.“ Mit dieser emphatischen Botschaft wird die im Lichthof des Auswärtigen Berliner Amtes das Projekt TRACES – Fashion & Migration eingeläutet. AMD-Dozentin Olga Blumhardt und Studiendekanin Antja Drinkuth gehen auf Spurensuche und untersuchen in ihrem Buch TRACES den Einfluss von Migranten auf die Mode- und Kreativszene. Im Fokus steht der Gedanke, sich von beschränkenden gesellschaftlichen Formen und Zwängen im modischen Ausdruck zu befreien. Exotische Einflüsse sollen konformes Verhalten auflockern und Synergien bilden. So sollen echte, wechselseitig geprägte Innovationen entstehen. Das klingt erst einmal sehr theoretisch, wurde aber im Laufe der Projektpräsentation zunehmend greifbarer.

„Mode verführt, reflektiert, irritiert, verkehrt bisweilen ins Absurde – und das mit Leichtigkeit und gesellschaftlicher Relevanz. (..) Sie bedient sich kultureller Codes“ heißt es in der Einleitung von TRACES. Für dieses Projekt entwerfen namenhafte Designer von Lala Berlin über Hien Le bis hin zu Vladimir Karaleev sowie einige Absolventen der Berliner Akademie für Mode und Design jeweils kleine Kollektionen, die die kreativ-kulturelle Symbiose in den Vordergrund stellen.

Wir sehen bunte und üppig bestickte Seidentuniken und Kaftans. Eingedeutscht werden diese, in dem die Designer sie mit Karoblazern und geknoteten Halstüchern kombinieren. Es folgen fantasievolle Fell-Leder-Kombinationen und ein gewagtes Spiel mit Transparenz und Verhüllung. Neben ambitioniert eingesetztem Layering und üppig drapierten Oberteilen und Röcken kommen auch neckische, volltransparente Netzoberteile zum Vorschein. Die Designer kokettieren mit großzügig gesetzten und von wehenden Stoffbahnen umflorten Armausschnitten. Die Designs der AMD-Studenten fallen noch plakativer aus. Wir sehen in sich durchbrochene Outfits. Vom linken Oberkörper baumeln fransige Fetzen herunter, der rechte Arm ist ganz ordentlich in einen Blazerärmel verstaut.

Zum Showdown erscheint eine futuristisch anmutende Braut mit bodenlang herunterfallendem Schleier. Letzterer umhüllen sie geheimnisvoll. Der Schleier entfremdet im Augenbereich mit geometrischem Muster. Darunter erahnen wir eine knappe, weiße Korsage. Dazu trägt das Model silbrig glänzende Overknees und lange, nietenbesetzte Armstulpen.

Willkommen in Utopia. Hier gibt es keine Konventionen oder Regeln. Und das ist sie wohl auch, die finale Message: Mode ist ein manchmal vielleicht undankbar. Aber immer ehrlicher Spiegel der Gesellschaft, der über die Ländergrenzen hinaus Menschen verbinden und viel Platz für Neues schaffen kann.

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