Studie

Studie belegt: 4 von 10 Deutschen interessieren sich nicht für Mode

Von Kim Ernst
25.04.2016 / 16:20 Uhr

Je billiger, desto besser? Die (Mode-)Welt dreht sich schnell. Fast schon zu schnell. Und wir rennen den Trends im Sprint hinterher. Haben wir sie eingeholt, sind sie schon längst wieder out. Die Folge: Ein nicht enden zu wollender Konsum von Billigmode. Wer gibt schon viel Geld für Kleidung aus, die in vier Wochen sowieso niemand mehr trägt? T-Shirts kosten bei Modeketten wie Primark und Co. meist weniger als fünf Euro, Wintermäntel werden hier meist für rund zwanzig Euro verkauft. Der modeinteressierte Käufer hält das für unschlagbar.

Weltweit stürzt sich die modegeile Meute auf die vermeintlich unwiderstehlichen Schnäppchen wie hirnlose Zombies auf frisches Menschenfleisch. Hinterfragen tut dieses krankhafte Kaufverhalten kaum einer - oder? Darüber gibt nun eine Studie Aufschluss. Das Marktforschungsinstitut Dr. Grieger & Cie. hat in einer repräsentativen Umfrage rund 1.000 Leute zu ihrer Einstellung zu nachhaltiger Mode befragt. Die Ergebnisse überraschen - im positiven, wie im negativen.

Modisch sein um jeden Preis?

Beim Blick auf die Straße eine schon fast rhetorische Frage: Wie modisch sind die Deutschen überhaupt? Rund 60 Prozent der Befragten geben an, modeinteressiert zu sein. Gut die Hälfte meint außerdem, sich mit den aktuellen Modetrends auszukennen. Und wo kaufen die deutschen Modefans ein? Na klar: Am häufigsten gehen sie - so sagt es die Studie - zu preiswerten Fast-Fashion-Anbietern. Mit dabei: H&M, C&A, Aldi und Lidl. Dennoch wünschen sich die meisten Verbraucher, dass auch Billigketten nachhaltige Mode in ihr Sortiment aufnehmen. Nachhaltigkeit und günstige Preise - passt das überhaupt zusammen? Ob die Verbraucher wohl auch dazu bereit wären, für nachhaltig produzierte Kleidung tiefer in die Tasche zu greifen? Darüber findet man in der Studie keine Infos.

Fast-Fashion-Ketten reagieren

Dennoch reagieren diverse Billigmodeketten bereits auf die grünen Wünsche ihrer Kunden. H&M beispielsweise bringt mit der Conscious Collection immer wieder einzelne, nachhaltige Kollektionen heraus. Diese versprechen unter anderem eine ethische und klimaschonende Produktion der Ware sowie einen verantwortlichen Umgang mit verwendeten Ressourcen. Re- und Upcycling stehen hier ebenfalls auf dem Plan.

Ähnliches gilt auch bei C&A: "Wir bei C&A möchten Arbeitsschutz, Lebensgrundlagen der Arbeiter und den Umgang mit Chemikalien verbessern und mit nachhaltigeren Materialen arbeiten", heißt es auf der Unternehmenswebsite. Das Ziel sei es hier, langlebige Qualitätsprodukte aus natürlichen Materialien herzustellen. Und zwar in Verfahren, die die Ressourcen schützen und für Mensch und Umwelt sicher sein sollen.

Auch Discounterkette Aldi will laut Greenpeace bis 2020 auf eine giftstofffreie Produktion hinarbeiten. Im Umkehrschluss bedeutet das: Bis dahin könnten die Kleidungsstücke von Aldi weiterhin giftige Inhaltsstoffe

einhalten. Erschreckend, denn immerhin gehört Aldi zu den Top 10 der Modeanbieter in Deutschland. Kirsten Geß, Leiterin Kommunikation von Aldi Süd sagte dazu in einem Interview mit styleranking: "Aldi ist dem Detox-Commitment von Greenpeace beigetreten. Die Qualitätsstandards, die wir in unserer Mode haben, sind die gleichen einer Jette Joop-Kollektion. Die Blue Motion-Mode (Anm. d. Red. von Jette Joop) unterscheidet sich eher in den Details des Designs. Aber nicht in den grundsätzlichen Kriterien, was Schadstoffe oder Passform angeht. Die Qualitätsstandards sind die gleichen und alle Ökotest-verifiziert."

Ist Geiz wirklich geil?   Copyright: oneinchpunch/Shutterstock

Die Studie von Dr. Grieger & Cie. zeigt: Das, was H&M und C&A gerade erst starten ist genau das, was die Verbraucher wollen. Knapp 75 Prozent aller Befragten halten Nachhaltigkeit in Bezug auf Mode für wichtig und legen Wert auf die Langlebigkeit ihrer Kleidung. Doch lediglich ein Drittel der Befragten kaufte in den letzten zwölf Monaten mindestens ein nachhaltig produziertes Teil. Und rund 40 Prozent der Befragten ist es sogar egal, ob ihre Kleidung Nachhaltigkeitssiegel (vertrauensvolle Siegel sind unter anderem Der blaue Engel, EU Ecolabel und Fair Wear Foundation) aufweist oder nicht. Sie scheinen sich nicht für die Produktion der Mode zu interessieren.

Die Studie zeigt, wie unterschiedlich die Deutschen mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen. Viele Menschen scheinen sich ein größeres Angebot an grüner Mode zu wünschen. Ein großer Teil setzt sich mit dem Thema jedoch gar nicht auseinander - und schleppt in diesem Moment wahrscheinlich tütenweise Kleidung aus dem Primark-Store nebenan. Es herrscht Verbesserungsbedarf!

Weitere Fakten zum Konsumverhalten der Deutschen in unserer Bildergalerie.

Teile des verwendeten Bildmaterials sind aus der Bilderdatenbank von shutterstock.com

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