Nachhaltigkeit

Plastikmüll wird zur Währung: Ist das die Lösung für Armut und Abfall in unseren Ozeanen?

21.12.2017 / 11:30 Uhr

Nicht nur die Beautyqueens unter uns kennen das: Am Morgen führen alle Wege zunächst ins Bad. Wach werden und frisch machen lautet die Devise. Zum Glück helfen uns dabei unsere zahlreichen Beauty- und Pflegeprodukte, von Shampoo und Conditioner bis hin zu Bodylotions und Gesichtscremes. Natürlich achten wir auf die Inhaltsstoffe. Schließlich sollen die Produkte uns verschönern und gleichzeitig möglichst natürlich sein. Dabei vergessen wir, dass wir auch die Verpackungen konsumieren und täglich Plastikmüll produzieren. Die leeren Flaschen entsorgen wir nach Gebrauch, dank grünem Punkt, in die gelbe Tonne. Doch wie kann es sein, dass trotzdem unzähliges Plastik in die Ozeane gelangt? Wir haben uns umgehört, wo Plastikflaschen auf der ganzen Welt herkommen und hingehen und dabei spannende Möglichkeiten entdeckt.

Unsere tägliche Beautyroutine bringt auch jede Menge Plastikmüll mit sich. Copyright: Shutterstock   Copyright: Shutterstock

Wer schon einmal als Backpacker in Asien unterwegs war, kennt das Bild: Besonders in ärmeren Regionen sind die schönsten Gegenden und Strände oft von Müll überhäuft. Das gilt besonders für Entwicklungsländer wie die Philippinen oder Haiti mit einer hohen Armutsquote und keiner vergleichbaren Infrastruktur für Abfallwirtschaft wie etwa in Deutschland. Die Menschen vor Ort konsumieren Plastik wie wir: Wasser aus Plastikflaschen, Lebensmittelverpackungen und Pflegeprodukte. Doch dort gibt es keine gelben Tonnen, um die Verpackungen anschließend umweltgerecht zu entsorgen. Sie landen auf der Straße und werden von dort aus ins Meer gespült. Und da bleibt das Plastik dann ewig. Es existieren kilometerlange Müllküsten, an denen kein Sandkorn, dafür aber jede Menge Plastik zu sehen ist.

Allgegenwärtig: In Entwicklungsländern gelangt Plastikmüll von den Straßen über Flüsse ins Meer - wie hier in Haiti. Copyright: Henkel

Wie können wir das ändern?

Das hat sich auch David Katz, Gründer von Plastic Bank, gefragt und die Organisation ins Leben gerufen. Ziel ist es, Armut zu reduzieren und gleichzeitig zu vermeiden, dass Plastikmüll überhaupt erst in die Ozeane gelangt. Wie das funktionieren soll? Plastic Bank deklariert Plastikabfall zu einer Währung. Die lokale Bevölkerung hat die Möglichkeit, Kunststoff auf den Straßen zu sammeln und in speziell eingerichteten Sammelcentern pro Kilo gegen Geld, Brennstoff zum Kochen oder Zugang zu Ladestationen für Mobiltelefone einzutauschen. Anschließend wird es in den Sammelstellen sortiert, verarbeitet und dann wieder der Recycling-Wertschöpfungskette zugeführt. So entsteht das sogenannte „Social Plastic®“, ein Qualitätssiegel dafür, dass die Sammler einen über dem Marktwert liegenden Preis für den Plastikabfall erhalten haben.

Plastic Bank schafft vielfältige Chancen: Menschen, die in Armut leben, können Plastik in ihrer lokalen Umgebung sammeln und zu einem Plastik-Sammelcenter bringen, z.B in Haiti oder auf den Philippinen. Copyright: Henkel

Große Konzerne – große Verantwortung

Natürlich müssen Organisationen sich und ihre Projekte immer auch finanzieren. Das gelingt z.B. durch Zusammenarbeit mit großen Unternehmen. So konnte Plastic Bank den deutschen Großkonzern Henkel, zu dem u.a. die Marken Schwarzkopf und Syoss gehören, für eine Zusammenarbeit begeistern. Gemeinsam geben sie voraussichtlich ab Anfang 2018 der lokalen Bevölkerung auf Haiti die Möglichkeit, Plastik zu sammeln und in drei Sammelstationen einzutauschen. Parallel dazu forschen die Verpackungsexperten von Henkel bereits an einer Lösung, Social Plastic® zukünftig in eigenen Produktverpackungen einzusetzen.

Wir sind begeistert von den Plastic Bank-Visionären und ihren Errungenschaften. Trotzdem gibt es noch einiges zu tun und in der Zwischenzeit gelangt täglich mehr Plastikmüll in unsere Weltmeere. Es ist ein erster Schritt, dass große Konzerne die Organisationen unterstützen. Der ökologische Fußabdruck, den die Konzerne mit der Produktion ihrer Produkte hinterlassen, ist dabei jedoch auch nicht zu vergessen. Um diesem entgegenzuwirken, müssen in Zukunft immer mehr Verpackungen von immer mehr Unternehmen zu großen Teilen aus zurückgewonnenem Plastik hergestellt werden. Aber auch wir Endverbraucher können etwas tun: Mit jedem Kauf, den wir tätigen, bestärken wir die Unternehmen in ihrem Tun. Daher sollten wir regelmäßig unser Kaufverhalten reflektieren und so die richtigen Signale setzen.


Die mit Shutterstock gekennzeichneten Bilder stammen aus der Datenbank Shutterstock.

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