Modekette in der Kritik

Schimmel und Gestank bei Primark

30.01.2015 / 17:00 Uhr

Während sich in Paris die Luxusmode feiern lässt, gibt es am anderen Ende der Modeskala mal wieder Gelegenheit zur Empörung und Klage. Wieder einmal geht es um Billig-Klamotten-Anbieter Primark. Zum einen häufen sich die Meldungen, dass bei Primark verschimmelte Klamotten über den Ladentisch gehen, zum anderen beschweren sich Mitarbeiter darüber, dass die Ware übel nach Chemie müffelt.

Hohe Frequenzen beim irirschen Modegiganten Primark: Billige Preise und ständig neue Ware lockt die Kunden.   Copyright: Gareth Cattermole/Getty Images

Die irische Billigmodekette Primark steht oft in den Schlagzeilen. Sie wird gehasst und geliebt – und das im gleichen Maße. In keinem Laden kann man sich auf einem vernünftigen modischen Level so günstig von Kopf bis Fuß einkleiden wie bei Primark – das zieht Kunden und vor allem Kundinnen magisch an. Fast jede Neueröffnung eines Stores wird frenetisch gefeiert, die Vorfreude ist immens. In Shopping-Centern ist Primark ein sogenannter Ankermieter. Er bringt Frequenz. Grund zum Feiern. Andererseits steht kein Modeanbieter dermaßen in der Kritik wie Primark. Schlechte Arbeitsbedingungen, vor allem in den Produktionsbetrieben in Fernost, sind der Hauptkritikpunkt. Aber auch im Verkauf in den Absatzländern wird über prekäre Arbeitsverhältnisse, befristete Verträge und hohen Druck berichtet.

Aus Hannover hat man nun gehört, dass feucht gewordene und in der Folge angeschimmelte Ware verkauft wurde, ja verkauft werden musste. Mitarbeiter hatten darauf hingewiesen, dass Klamotten Schimmelspuren zeigten bzw. nach Schimmel rochen. Die Geschäftsleitung habe dann den Verkauf angewiesen – ohne Wenn und Aber. Offiziell spricht man von möglicherweise bedauerlichen Einzelfällen. Außerdem gab es Beschwerden von Mitarbeitern an mehreren Orten, dass die Ware übel nach Chemikalien roch. Hier wurden Arbeitsschützer aktiv – und konnten keine überbordenden Probleme und schon gar keine Überschreitung von Grenzwerten der üblich verdächtigen Stoffe feststellen, wie unter anderem die Fachzeitschrift TextilWirtschaft berichtet.

Was steckt in meiner Kleidung? Die aktuelle Primark-Debatte regt Konsumenten zum Nachdenken und Nachfragen an.   Copyright: Christopher Furlong / Getty Images

Selbstverständlich ist es richtig und wichtig, auf Missstände hinzuweisen. Allerdings machen es sich Aktivisten, kritische Verbraucher und schließlich auch die Medien oft zu einfach, wenn sie sich einen Sündenbock aussuchen, um auf Probleme in der Textilbranche hinzuweisen. So gelangen beispielsweise Schadstoffe in die Kleidung nicht nur dadurch, dass günstiges Rohmaterial verwendet wird. Es sind also nicht nur zweitklassige Stoffe oder Farben oder Produktionsprozesse. Ein Großteil der bedenklichen Schadstoff gelangt während des Transports in die Kleidung. Übersee-Container werde in der Regel vor der Beladung großflächig mit unter anderem Fungiziden und Pestiziden behandelt, damit Schimmelpilze und Ungeziefer keine Chance haben, die transportierte Kleidung zu befallen. Wenn Container hierzulande nach ihrem 30- bis 40-tägigen Transport über die Weltmeere geöffnet werden, dann fallen unter Umständen erst mal tote Schlangen, Spinnen und andere Tiere den Logistikmitarbeitern vor die Füße. Und das betrifft ganz sicher nicht allein die Lieferungen, die schließlich auf den Wühltischen in den Primark-Filialen landen.

Dass hier wirksame Mittel eingesetzt werden, die sicher nicht ganz optimal für das Tragen auf der Haut geeignet sind, versteht sich von selbst. Dennoch hört man relativ selten davon, dass irgendwelche Grenzwerte überschritten werden. Möglicherweise wird zu wenig oder zu lax kontrolliert, möglicherweise sind die Prozesse aber auch so weit optimiert, dass eine Gefährdung mehr oder weniger ausgeschlossen werden kann.

Chemie in der Kleidung - Kein Einzelfall in der Branche der Highstreet-Modeketten.   Copyright: Christopher Furlong/Getty Images

Insofern sind die geschilderten Probleme nicht nur die Probleme von Primark. Während die Öffentlichkeitsarbeiter von Primark dieser Tage wieder einiges zu tun haben, freut man sich an anderen Stellen in der Branche darüber, dass man selbst nicht im Fokus des öffentlichen Interesses steht. Und eines ist klar: Billige Mode bleibt im Trend, da es prekäre Beschäftigung nicht nur in der Modebranche gibt. Und auch Menschen, für die die Modeschauen in Paris eine irreale niemals erreichbare Scheinwelt bleiben muss, wollen modische Kleidung kaufen und tragen. Und sie werden immer mehr.

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