Interview

Singer-Songwriter Luke Friend: "Ich kaufe Jeans in der Damenabteilung"

Lara Schwitalla
Von Lara Schwitalla
20.08.2016 / 12:00 Uhr

Dreadlocks, Reibeisenstimme und ein Lachen, das garantiert jeden ansteckt: Wer den aufsteigenden Musikstar Luke Friend noch nicht auf dem Schirm hat, sollte schleunigst die Ohren spitzen. Nachdem der junge Brite 2013 den dritten Platz der Castingshow X-Factor belegte, erobert er die Herzen zahlreicher Teenies. Es folgen ausverkaufte Tourneen innerhalb Englands. Im Frühjahr 2016 nimmt das deutsche Plattenlabel BMG den jungen Künstler unter Vertrag. Damit reiht sich der Brite zwischen musikalische Legenden wie David Bowie, Janet Jackson oder den Rolling Stones ein. Seit dem 10. August ist die Single „Take on the world“ des 20-Jährigen erhältlich. Der Song ist Teil des offiziellen Soundtracks zum neuen Kinofilm Antonio, ihm schmeckt’s nicht! von Christian Ulmen und Mina Tander. Ab Samstag geht Luke Friend als Voract von Silbermond auf Tournee durch Deutschland. Wir haben den Singer-Songwriter zur Vorpremiere von Antonio, ihm schmeckt’s nicht im Düsseldorfer Open Air Kino Commerz Real Cinema interviewt und erfahren, was hinter seinem charmanten Lächeln steckt und wer seine modischen Vorbilder sind.

Anlässlich der Premiere des Kinofilms "Antonio, ihm schmeckt's nicht" haben wir Luke Friend interviewt.   Copyright: Lukas Wiegand für styleranking

styleranking: Du schreibst deine eigenen Songs seit du 12 Jahre alt bist. Wie hast du deine Liebe zur Musik entdeckt?

Luke Friend: Das liegt wahrscheinlich an meinen Eltern und ihrem Musikgeschmack. Sie lieben vor allem die Rolling Stones, James Brown und all die guten alten Klassiker. Dadurch hat sich mein musikalisches Interesse entwickelt. Als ich noch klein war, mochten meine Freunde kindische, unreife Musik, während ich Songs von Paul James hörte. Als ich etwa acht Jahre alt war sang ich im Chor, wobei ich das nie so ganz ernst nahm. Als ich später mit Freunden eine Band gründete, wurde die Sache ernst. Wir traten in Kneipen auf und wurden immer häufiger angefragt. Irgendwann begriffen wir, dass den Leuten unsere Musik wohl wirklich gefällt.

styleranking: Wie läuft bei dir die Entwicklung eines neuen Songs ab?

Luke: Es hilft mir, viel zu reisen, Erfahrungen zu visualisieren und daraus einen Songtext zu entwickeln. Ich schreibe oft über Themen wie die erste Liebe, auch wenn das nicht gerade ungewöhnlich für einen Musiker ist. Mir ist es wichtig, dass ich über Dinge schreibe, die jeder nachvollziehen kann. Sei es der plötzliche Tod eines geliebten Menschen oder eine Hochzeit. Es geht einfach um die Emotionen und Gefühle im Leben. Ich versuche so viele Storys zu sammeln, dass ich sie schließlich zu Papier bringen und aufnehmen kann. Da habe ich wohl auch einfach etwas Glück, denn mein Leben war bis jetzt alles andere als langweilig. All die Dramen verarbeite ich zu Songs.

In seinen Songtexten schreibt Luke über persönliche Erfahrungen aus seinem Leben.   Copyright: Lukas Wiegand für styleranking

styleranking: Deine Stimme erinnert mich an Steve Winwood von der Spencer Davis Group. Kennst du ihn?

Luke: Ja! Das ist wirklich komisch, du bist nicht die Erste, die mir das sagt.

styleranking: Wenn du die Chance hättest, zurück in die Sechziger reisen zu können, würdest du es tun?

Luke: Natürlich! Das wäre großartig. Ich sehe bereits jetzt schon aus wie ein Typ von damals. Aber würdest du so eine Chance nicht genauso nutzen?

styleranking: Ja, das stimmt. Ich kenne die Geschichten meiner Familie aus den Sechzigern und sie sagen, dass sie die Erfahrungen aus der Zeit für nichts auf der Welt eintauschen würden.

Luke: Meine Eltern sagen genau dasselbe. Heutzutage scheint alles einfach nicht mehr so einzigartig wie damals. Aber mach dir keine Sorgen, gemeinsam bringen wir die Sechziger schon noch zurück.

styleranking: Wie viel Wert legst du auf Mode und dein äußeres Erscheinungsbild?

Luke: Ich liebe Mode und trage immer das, worauf ich Lust habe. Dabei setze ich mir selbst keine Grenzen. Würde ich einen Rock tragen wollen, würde ich es sofort machen. Ich habe schon immer das getan, worauf ich Lust hatte. Das endet manchmal böse, weil es vielleicht nicht immer die richtige Entscheidung ist. Aber ich schäme mich nicht zu gestehen, dass ich Jeans aus der Damenabteilung kaufe, weil sie schmaler geschnitten sind. Die Jeans, die ich gerade trage, sind wohl eins der wenigen Herrenmodelle, die ich seit einer Weile ab und zu wieder anziehe.

styleranking: Hast du ein Stilvorbild?

Luke: Ich mag den Stil von Jack Greystone auf Instagram total. Mir gefällt ganz offensichtlich auch der Style von Jack Sparrow und dieser typische Fluch der Karibik Piratenlook, aber ich ich lasse mich auch vom Stil von Jimi Hendrix oder Mick Jagger beeinflussen.

styleranking: Als du in der Castingshow The X-Factor aufgetreten bist, hast du sehr viele Musikrichtungen ausprobiert. Erwarten uns auf deinem kommenden Album auch unterschiedliche Musikgenres?

Luke: Viele der Songs auf dem Album sind ganz anders als meine aktuelle Single. Ich schweife auf dem Album in verschiedene Stilrichtungen ab, weil mir so viele verschiedene Genres gefallen. Das macht es natürlich schwer, mich einer bestimmten Musikrichtung zuzuordnen. Aber würde ich das tun, hätte ich das Gefühl, dass ich mich selbst einschränke. Die letzten drei Jahre waren perfekt, um darüber zu schreiben, was mich beschäftigt. Egal, auf welchen Stil das hinausläuft. Das Album enthält einige Balladen, bei denen man nur ein Piano und meine Stimme hört. Andere Songs klingen eher nach einer Art Live Session. Den Titel Medicine haben wir in einem Take aufgenommen, weil ich in dem Moment einfach das Richtige gefühlt habe.

styleranking: Ist deine Gitarre ein Teil deines Looks?

Luke: Ich schätze, die Gitarre unterstützt meinen Look. Aber viel wichtiger ist, dass ich mir nichts Schlimmeres vorstellen könnte, als zu Playback zu singen. Meiner Meinung nach kann man sich dazu weder bewegen, noch kann man spontan das Tempo verändern. Sobald ich mich selbst mit der Gitarre begleite, habe ich genau das unter Kontrolle. Gerade deshalb liebe ich es so, Gitarre zu spielen.

Luke tritt nicht nur als Solokünstler auf, sondern spielt auch gemeinsam mit seiner Band.   Copyright: Lukas Wiegand für styleranking

styleranking: War deine Band in die Produktion deines Albums involviert?

Luke: Leider habe ich die Songs geschrieben und aufgenommen, noch bevor wir unsere Band gründeten. Ich komme eigentlich aus Leeds, bin aber mit etwa 12 Jahren nach Devon umgezogen. Dort habe ich ein paar Freunde kennengelernt, die sich genauso wie ich für Musik interessierten. Davor habe ich mit Sessionmusikern zusammengespielt. Das hat aber einfach nicht so viel Spaß bereitet, wie gemeinsam mit meinen Freunden Songs einzuspielen.

styleranking: Also hast du deine Band noch nicht vergessen, obwohl du jetzt als Solokünstler unter Vertrag bist?

Luke: Nein, natürlich nicht. Ich möchte unbedingt irgendwann gemeinsam mit ihnen auftreten. Sie sind einfach fantastische Musiker. Ich hoffe, wir können die Menschen von uns gemeinsam überzeugen.

styleranking: Wie hast du reagiert, als eine deutsche Filmproduktion deine Single als Titelsong featuren wollte?

Luke: Das war einfach unglaublich! Mein Deutsch ist zwar nicht sehr gut, aber dass 20th Century Fox meinen Song für den Film ins Boot geholt hat, ist einfach überwältigend. Ich habe erst vor kurzem Christian Ulmen im Hotel kennengelernt. Er ist so ein sympathischer Typ. Wir haben uns im Aufzug getroffen in so einem typischen, unangenehmen Aufzugmoment – er wusste, wer ich bin, ich wusste, wer er ist und einer muss den Anfang machen. Aber ich bin froh, dass wir uns so kennengelernt haben, das hat das Eis gebrochen.

styleranking: Du hast bereits mit Ellie Goulding und Seal zusammengearbeitet. Was war das für ein Gefühl, so erfolgreichen Musikern gegenüberzustehen?

Luke: Es war fantastisch. Ellie war total entzückend. Eigentlich hat alles mit einem riesigen Drama begonnen, weil sie unser Duett für The X-Factor fast absagen musste. Stattdessen hat sie ihre Termine für ein anderes TV-Programm gecancelled, damit sie gemeinsam mit mir auftreten konnte. Mit Seal zusammen war ich in seinem Studio. Er ist eines meiner größten Idole. Die zwei Stunden mit ihm im Studio waren auf eine wundervolle Art intensiv.

Durch X-Factor konnte Luke mit internationalen Stars wie Ellie Goulding und Seal zusammenarbeiten.   Copyright: Lukas Wiegand für styleranking

styleranking: Wie haben diese Erfahrungen dich und deine Musik beeinflusst?

Luke: Ich habe dadurch die Realität des Jobs kennengelernt. Wenn du kein Musiker bist und das Ganze aus der Sicht eines Fans betrachtest, siehst du nur die positiven Aspekte. Aber hinter den Kulissen hast du unglaublich viel zu erledigen. Erfolgreiche Musiker in ihrem täglichen Business zu sehen, hat mir gezeigt, dass ich für den Erfolg harte Arbeit leisten muss. Du kannst diesen Job nur dann bewältigen, wenn du Musik von ganzem Herzen liebst – und das tute ich glücklicherweise.

styleranking: Hast du ein musikalisches Vorbild?

Luke: Eddie Vedder, der Frontmann von Pearl Jam. Er ist wohl mein Musikidol, weil er unglaublich viel Emotion und Energie in jeden Song steckt. Nachdem er und seine Band bei einem der größten Festivals von der Bühne kamen, ist Eddie in Ohnmacht gefallen. Einfach, weil er sich auf der Bühne so verausgabt und dem Publikum sein ganzes Herz ausgeschüttet hatte. Das inspiriert mich dazu, die Musik zu spielen, die ich liebe. Nicht selten werden Musiker schließlich auch dazu gedrängt, gegen ihre eigentliche Vorliebe zu handeln.

styleranking: Also würdest du deine Musik nicht kommerzialisieren?

Luke: Das ist dabei nicht der Punkt. Ich halte es für keine schlechte Sache, seine Musik kommerziell zu gestalten. Es ist wichtiger, dass der Musiker selbst weiß, dass er das Richtige tut. Bis jetzt stehe ich voll und ganz hinter der Musik, die ich produziere. Ich kann es kaum abwarten, dass jeder sie hören kann.

styleranking: Welche Rolle spielen die sozialen Medien für dich und deine Karriere?

Luke: Social Media sind wirklich wichtig. Es macht dich und deine Werke beständig. Außerdem ist es die perfekte Möglichkeit, um mit deinen Fans in Kontakt zu treten. Ich liebe es, mit Fans und Followern zu tweeten. Ein einfacher Glückwunsch zum Geburtstag kann jemandem so viel Freude bereiten. In dieser Hinsicht sind die Möglichkeiten in sozialen Medien unglaublich.

Via Snapchat, Instagram und Co. steht Luke in Kontakt mit seinen Fans und Followern   Copyright: Lukas Wiegand für styleranking

styleranking: Wie wirst du im Sinne deiner Single “Take on the world” die Welt in Zukunft erobern?

Luke: Die Zukunft beginnt heute Abend - wir müssen abwarten, was danach kommt. Ich freue mich schon auf die Tour mit Silbermond. Das wird das erste Mal sein, dass ich in Deutschland auf Tournee gehe. Sie haben mich schon so liebevoll in ihre Musikfamilie aufgenommen, dass ich es gar nicht abwarten kann, sie richtig kennenzulernen. Es könnte mein Karrieresprungbrett sein! Gemeinsam mit dem Film eröffnen sich mir gerade großartige Möglichkeiten. Es fühlt sich surreal an. Aber ich kann es gar nicht abwarten!

styleranking: Vielen Dank für das Gespräch.

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