Interview

So wurde das Uhrenlabel Kapten&Son dank Influencer-Marketing zur Trendmarke

10.05.2017 / 16:07 Uhr

Die Uhr am Handgelenk von Pamela Reif, die Sonnenbrille auf der Nase von Top-Bloggern, als sie auf dem Coachella in den Sonnenuntergang tanzen, die Uhr als Statement beim Detailshot auf der Brooklyn Bridge: Die Accessoires von Kapten&Son sind ein Instagram-Phänomen. Erst vor zwei Jahren haben drei Studienfreunde aus Münster ihr Start-up gegründet. Es folgte ein rasantes Wachstum. Etliche Instagram-Posts, Kooperationen mit Influencern wie aktuell mit Farina von NovaLanaLove. Weitere Social Media-Clous später ist das Label nicht nur in Europa vertreten, sondern auch in Melbourne und New York. Ist Kapten&Son der Prototyp für eine Marke, die sich über Social Media fest etabliert? Im Pop-up-Store in Köln treffen wir Johannes Theobald, Gründer und Geschäftsführer sowie Tonio Kantorski, Chief Sales Officer. Im Interview sprechen wir mit ihnen über den Erfolg, die Strategie und die Zukunftsvision der trendy Uhrenmarke.

Im Pop-up-Store in Köln trifft Redakteurin Julia den Kapten&Son-Gründer Johannes Theobald und Chief Sales Officer Tonio Kantorski zum Interview.   Copyright: styleranking

styleranking: Die Marke Kapton&Son ist gerade einmal zwei Jahre alt. Wie hat alles begonnen?

Johannes Theobald: Die Story erzählen wir sehr gerne, weil wir sie einfach schön finden. Wir sind drei Freunde: Fabian Deventer, der auch mein Mitbewohner war, Artjem Weissbeck und ich. Wir haben zusammen in Münster studiert. Von Anfang an hatten wir nicht vor, in einem Großunternehmen 08/15-Jobs zu absolvieren, sondern etwas Eigenes zu starten. Dann kamen wir auf Fashion, weil wir uns alle drei dafür begeistern können, besonders Fabian ist richtig fashionaddicted. Er verfügt über ein gutes Gespür für Trends und weiß, was funktioniert. Für Uhren haben wir uns entschieden, weil wir alle gerne welche tragen. So ist die Idee letztendlich aus einer Uni-Laune heraus entstanden. Wir mussten Produzenten überzeugen, dass sie trotz kleiner Stückzahlen mit uns zusammenarbeiten. Das war nicht leicht. Aber wir haben es gestartet, die Homepage gebaut, live gestellt und sind dann vom Erfolg überrannt worden. Vom einen Tag auf den anderen ging es gut los. Von Monat zu Monat sind wir gewachsen.

styleranking: Heute sind wir in Köln. Wieso ein Pop-up-Store und wieso hier?

Tonio Kantorski: Der Pop-up-Store ist für uns der erste Schritt, die komplette Kapten&Son-Welt voll und ganz zu präsentieren. Wir arbeiten seit zwei Jahren mit Einzelhändlern zusammen. Recht erfolgreich, denn wir bedienen mehr als 500 Einzelhändler quer durch Europa mit Deutschland als stärksten Markt. Die Produktvielfalt ist so groß geworden, dass wir die Idee hatten, einmal das ganze Portfolio in einem Monobrand-Store temporär zu testen und das direkte Feedback von unseren Kunden einzuholen. So ist das ganze Projekt relativ kurzfristig entstanden. Hier im Belgischen Viertel in Köln bieten sich tolle Räumlichkeiten. Auf 80 Quadratmetern präsentieren wir das komplette Uhrensortiment und auch die Sonnenbrillen präsentiert. So geben wir der Marke eine Bühne, die sie verdient.

Johannes: Außerdem läuft im Moment eine Aktion mit Farina von NovaLanaLove, die ihre eigene Sonnenbrille mit uns designt hat. Farina kommt aus Köln und das hat gut gepasst.

stylranking: Also war Farina als Influencerin der Grund für den Standort?

Johannes: Das hat die Entscheidung zumindest leichter gemacht.

Im Mai 2017 zeigte Kapten&Son alle Kollektionen im Pop-up-Store im Belgischen Viertel.   Copyright: Kapten&Son

styleranking: Glaubt ihr, dass die Menschen auch in Zukunft analoge Uhren tragen werden oder gewinnen Smartwatches am Ende?

Johannes: Teils, teils – die Frage lässt sich nicht mit Schwarz/Weiß beantworten. Die Menschen sind interessiert an den Informationen über den eigenen Körper: Wie sie schlafen, wie ihr Puls schlägt, wie weit sie gejoggt sind. Man sieht aber auch, dass es die Applewatch nun seit zwei Jahren gibt und dass sie den Markt nicht überrollt hat. Sie besetzt eher eine Nische. Ich glaube daran, dass es eine Symbiose aus analoger Uhr und Smartwatch geben wird. Eine Uhr fungiert als Schmuckstück und soll in erster Linie schön aussehen. Für Männer ist es schwierig, neben einer Uhr auch Schmuck zu tragen. Deswegen wird ein analoges Zeitmessgerät immer wichtig sein, Charme und etwas Klassisches versprühen. Langfristig verschmilzt beides und wird etwas digitaler.

styleranking: Heißt das, ihr könntet euch auch eine Kapten&Son Smartwatch vorstellen?

Johannes: Wir sind eine Fashionmarke und nicht als eine Fitbit oder Healthy Marke bekannt. Daher glaube ich nicht, dass wir auf diesen Trend aufspringen müssen. Wir schauen selbst, wie sich der Markt entwickelt. Wir werden nie ein Vorreiter für Smartwatches sein. Ausschließen würde ich so etwas für die Zukunft aber trotzdem nicht. Es hängt davon ab, wie sich der Markt entwickelt.

styleranking: In der Pressemitteilung heißt es, Kapten&Son wächst zu einer globalen Marke heran. Woran macht ihr das fest?

Johannes: Unsere Story begann 2014. Bereits 2015 waren wir dann in Europa erfolgreich und hatten Kapazitäten, nach Übersee zu gehen. Im ersten Schritt wollten wir nach Amerika, hatten aber das Gefühl, dafür noch zu frisch und vielleicht auch zu unerfahren zu sein. Deshalb haben wir ein Büro in Australien eröffnet. Dort sind wir jetzt eine anerkannte Uhrenmarke und sehr bekannt bei einer großen Followerbase, ähnlich wie in Deutschland. Von dort aus tasten wir uns derzeit an den südostasiatischen Raum heran. In Singapur, Kuala Lumpur und Indonesien sind wir in Malls vertreten. Vergangenes Jahr ist Artjem, einer von uns drei Gründern, ein Büro in New York eröffnet. Dort arbeiten mittlerweile acht Festangestellte. Kunden finden uns bei Urban Outfitter’s, wir verkaufen auch online und verhandeln mit Departmentstores. Wir wollen dort eine globale Marke werden, wo wir uns zuhause fühlen. Ich glaube, dass Australien und die USA das Lebensgefühl des Reisens und Unterwegsseins verkörpern.

Tonio: Bei allem Wachstum treffen wir immer im Einzelfall die Entscheidung, das Vorhaben mit unseren Markenwerten übereinstimmt. Wir werden die Märkte nicht als kurzfristiges Massenphänomen fluten.

Johannes: Wir sind gekommen, um zu bleiben.

styleranking: Dabei helfen euch soziale Medien ganz besonders, Kapten&Son ist ein Social Media-Erfolg. Wieso ist Instagram die wichtigste Plattform?

Johannes: Unsere Kunden sind fashionaffin, sie kennen die Trends und wissen, was getragen wird. Und modebegeisterte Kunden bewegen sich stark auf Instagram. Natürlich gibt es auch andere Tools: Wir sind auch auf Facebook und Pinterest aktiv, führen auch einen Snapchat-Kanal. Dort veranstalten wir auch Takeovers und arbeiten stark mit Bloggern zusammen. Ich würde sagen, wir nutzen alle Social Media-Kanäle aktiv. Aber Instagram ist unser Hauptstandbein.

styleranking: Was plant ihr, wenn Instagram irgendwann nicht mehr funktioniert?

Johannes: Wir müssen schauen, wie Snapchat sich durchsetzt. Momentan heißt der Trend Instastories, das wird stärker. Ich glaube, dass Instagram noch länger am Markt bleiben wird und wächst. Aber in den letzten Jahren hatten wir genügend Zeit, um uns als Brand aufzubauen und die Ressourcen zu entwickeln. Nicht nur auf Social Media zu setzen, sondern auch auf klassische PR. Deswegen stehen wir auch heute hier, weil wir in PR und im Print aktiv sind. Wir haben Kontakte aufgebaut und sind jetzt nicht mehr von Instagram abhängig. Aber es bleibt unser Hauptkanal.

styleranking: Wie wichtig sind Influencer?

Johannes: Sie können authentisch ausdrücken, wofür wir als Marke stehen. Wir stehen für eine freundliche Lifestyle-Marke, die ihre Kunden auf allen Wegen begleitet. Die Influencer verkörpern das ideal: Sie sind unterwegs, auf Reisen, auf dem Coachella, erleben viele schöne Momente. Unsere Produkte passen dazu.

styleranking: Wonach wählt ihr die Influencer aus, mit denen ihr zusammenarbeitet?

Johannes: Wichtig ist, dass sie zur Marke passen. Auf jeden Fall müssen sie einen Fashion- oder Adventurebezug haben.

styleranking: Was zählt bei der Auswahl: Qualität oder Quantität?

Johannes: Natürlich ist es ein Mix aus beidem. Wir arbeiten mit vielen Influencern zusammen, bei denen uns der Content und die Qualität der Bilder unheimlich wichtig sind. Ich glaube, dass man sehr wenige Blogger in unseren Kooperationen findet, die keinen hohen Anspruch an ihre Bildsprache besitzen.

styleranking: Ist ein gutes Bild auf Instagram dann am Ende wichtiger, als ein ausführlich aufbereiteter Blogartikel?

Johannes: Auch hier ist es beides, vor allem geht es um Authentizität. Im Blogartikel wird genau beschrieben, wofür wir stehen, wie gut unsere Qualität ist und wie das Produkt beim Blogger ankommt. Deswegen ist ein Blogartikel extrem wichtig. Aber ein guter Bildcontent auch, weil er, alleine, wenn wir ihn bei uns auf den Kanälen bringen, eine ganz andere organische Reichweite bringt. Es ist beides wichtig, es geht immer um Brand Building und Reichweite. Da kämpfen wir an beiden Fronten.

Neben neben den Uhren als Fokusprodukt setzt Kapten&Son für den Sommer 2017 verstärkt auf Sonnenbrillen.   Copyright: styleranking

styleranking: Posten Blogger und Influencer eure Uhren, weil sie ihnen so gut gefallen oder weil sie dafür bezahlt werden?

Johannes: Wir sind in der Szene nicht dafür bekannt, dass wir die teuersten Preise zahlen, sondern dass wir coole Produkte anbieten und die Blogger sie gerne tragen. Wir sind nicht die Weltmeister der höchsten TKPs (Anm. der Redaktion: TKP=Tausender-Kontakt-Preis). Am Beispiel von Farina Opoku alias Nova Lana Love kann man das gut erklären. Als sie Geburtstag feierte, hat sie bei Snapchat gepostet, dass sie von uns ein Geschenk auf ihrem Zimmer hatte. Wir leben den Crew-Gedanken. Wir arbeiten mit unseren Bloggern nicht nur wegen der Reichweite oder Umsätze zusammen, sondern weil wir das Gefühl leben und eine Influencer-Marke sind. Und das merken Influencer, dass wir nicht nur eine 08/15-Marke sind, die generisch irgendwelche Uhren verkauft, sondern eine, die auch das lebt, wofür sie steht. Den Crew-Gedanken, den wir an unsere Kunden vermitteln, leben wir auch mit den Influencern. Dadurch sind wir authentischer als viele unserer Wettbewerber.

styleranking: Und wenn ihr einen Influencer für einen Post bezahlt: Ist euch die Werbekennzeichnung wichtig?

Johannes: Ich muss sagen, da bin ich jetzt gar nicht so tief im Detail, weil ich nicht im Influencer-Team arbeite. Aber ich bin mir sicher, dass der Großteil unserer Kooperationen entsprechend getaggt wird.

styleranking: Was sind eure Gedanken über die Zukunft der Blogosphäre? Bleibt der Influencer-Hype?

Johannes: Ich bin fest davon überzeugt, dass Influencermarketing der neue Marketingkanal der letzten zehn Jahre war und auch bleiben wird. Die Reichweite ist sehr authentisch, es handelt sich um eine ganz andere Form als Fernsehwerbung, in der mit der Schrotflinte auf die Leute geschossen wird und die Zuschauer überhaupt keine Beziehung zum Produkt haben. Der Influencer steht für etwas. Er hat Fans und Follower, die ihm treu sind, weil sie seinen Kanal mögen. Influencer müssen nur darauf achten, dass sie Produkte zeigen, die zu ihnen passen. Dann ist es eine sehr authentische Form der Werbung.

styleranking: Was bringt 2017 noch für Kapten&Son? Wird es neue Produkte und Kooperationen geben?

Johannes: Wir bringen auf jeden Fall mehr Sonnenbrillen in diesem Jahr. Im Zwei- oder Drei-Wochen-Takt, nach dem Zara-Prinzip. Das heißt, Produkte werden teilweise nur in limitierten Stückzahlen verkauft. Dabei bleibt die Kernkollektion bestehen. In diesem Sommer setzen wir stark auf Sonnenbrillen und hoffen auf gutes Wetter. Außerdem haben wir noch vieles vor im Bereich Uhren wie besondere Weihnachtskollektionen. Eine neue Uhr kommt auf jeden Fall auch noch, zu der ich jetzt noch nicht mehr verraten darf.

styleranking: Und was kommt nach Uhr und Sonnenbrille?

Johannes: Da wissen wir schon was, aber das dürfen wir leider noch nicht verraten.

styleranking: Vielen Dank für das Gespräch.

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