Interview Antje Hundhausen

Telekom Smart Fashion Expertin: „Das Smartphone landet bald im Museum!"

Lara Schwitalla
Von Lara Schwitalla
13.03.2017 / 09:58 Uhr

Zwischen innovativen Start-up-Konzepten und futuristischen Modedesigns trifft styleranking die Initiatorin des Fashion Fusion und Vice President Brand Experience Telekom Antje Hundhausen auf der Fashiontech Messe im Kühlhaus Berlin. In dem historischen Industriegebäude versammeln sich Modeliebhaber, Technikverrückte und Trendsetter, um über das Eine zu reden: Smart Fashion. Die intelligente Mode dient nicht mehr nur als Kleidung, sie entwickelt sich zum Kommunikationsmittel, Beschützer und Freund seines Trägers. Um die Zukunft der Mode voranzutreiben und Designer mit Treibern der Digitalisierung zusammenzubringen, rief Hundhausen jüngst den Fashion Fusion Award ins Leben. Der Ideenwettbewerb richtet sich an Kreative Köpfe aus den Bereichen Mode und Technologie. Das Ziel der Competition: Die Entwicklung nachhaltiger, funktionaler, relevanter und gefragter Smart Fashion. Die intelligente Mode soll das Leben seiner Träger langfristig bereichern. Über 120 Bewerber aus 25 Ländern nehmen die Chance wahr und reichen ihre Konzepte und Ideen ein. Zwölf Finalisten lädt die Deutsche Telekom für drei Monate nach Berlin ein, um im Fashion Fusion Lab ihre Ideen und Kreationen zu evaluieren, zu produzieren und sich untereinander auszutauschen. Dabei zählt der Fashion Fusion Award nicht als einzige Aktion der Telekom zur Etablierung der Smart Fashion im Alltag. Antje Hundhausen verrät im Interview mit styleranking, wie Marken Smart Fashion praktisch umsetzen, welche Brands sich um die Zusammenarbeit mit der Telekom reißen und wie die intelligente Mode den Alltag der Bevölkerung revolutioniert.

Auf der Fashiontech Messe in Berlin trifft Redakteurin Lara Initiatorin des Fashion Fusion und Vice President Brand Experience Telekom Antje Hundhausen zum Interview.   Copyright: styleranking

styleranking: Warum macht die Telekom Smart Fashion?

Antje Hundhausen: Digitalisierung findet gerade überall statt. Wir als Telekom bieten die Infrastruktur für die digitale Transformation in den unterschiedlichsten Industriebereichen, wie Automotive oder Smart Home. Im vergangenen Jahr haben wir nach weiteren Innovationsfeldern gesucht, um Chancen für neue Produkte auszuloten und die Telekom als Marke im Digital Lifestyle stärker zu positionieren. Wir engagieren uns auch im Bereich Kunst und besitzen mit der Art Collection Telekom eine spannende Sammlung für zeitgenössische Kunst aus Ost- und Südosteuropa. Mit Electronic Beats betreiben wir ein internationales Musikprogramm. Unsere Marke wird darüber erlebbar. Mode wird zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil von Vernetzung und Digitalisierung. Die Telekom will kein Modeunternehmen werden, sondern die Welt der Mode mit der Digitalisierung vereinen. Durch unser Netz und die Cloud Services schaffen wir dafür eine Basis. Wir möchten als Unternehmen sichtbar werden. Dafür bietet Mode die ideale Plattform, weil sie sehr persönlich ist und jeden betrifft. Dadurch schafft man eine stärkere Verbindung zum Kunden.

"Die Telekom will kein Modeunternehmen werden!"

styleranking: Sie sind die Ideengeberin für Fashion Fusion. Wie wird bei Fashion Fusion Technik und Innovation mit Mode genau zusammengebracht?

Antje Hundhausen: Das ganze Projekt habe ich Anfang Mai initiiert, um die besagte Basis zur Verbindung von Mode und Digitalisierung zu schaffen. Deshalb haben wir uns entschlossen, einen Wettbewerb auszuschreiben in den Kategorien Connected devices and accessories, Digitally enhanced fashion und Smart services. Ein Beispiel aus dem Bereich Connected devices and accessoires wäre eine Uhr mit der Funktionalität eines Smartphones. Der Bereich Digitally enhanced fashion umfasst unter anderem die Produktion von Showpieces mittels 3D-Print. Die dritte Kategorie Smart Services beinhaltet Augmented Reality, Retail oder E-Commerce. Zahlreiche Modedesigner, wie zum Beispiel Hussein Chalayan oder Iris van Herpen, kontaktieren die Telekom auf der Suche nach Unterstützung bei ihren Modenschauen. Sie möchten die digitale Welt stärker einbinden und dem Zuschauer ihre Designs in einer Augmented Reality präsentieren. Dabei könnte das Publikum während der Show mehr über die Hintergründe der Kollektion erfahren oder eines der Designs vor Ort virtuell anziehen. Im Retail liebäugeln namenhafte Modedesigner damit, ihre Conceptstores stärker mit digitalen Medien und ähnlichen Services auszustatten.

Designer wie Hussein Chalayan kooperieren mit der Telekom, um Augmented Reality in ihre Runway-Shows zu integrieren.   Copyright: Telekom Fashion Fusion/Florian Reimann

styleranking: Welche Geschäftsfelder können Sie daraus für die Telekom ableiten?

Antje Hundhausen: Nehmen wir das Beispiel Trainwear: Hier ermöglichen wir durch die Konnektivität der Kleidung neue Businessmodelle. Unser Gewinnerteam des Fashion Fusion Awards hat mit Trainwear einen virtuellen, persönlichen Trainer entwickelt. Dabei wurden sie unter anderem von dem Technologiekonzern Zeiss unterstützt. Daraus hat sich eine Kooperation zwischen Zeiss und der Telekom entwickelt, die gerade auf dem Mobile World Congress in Barcelona bekannt gegeben wurde. Wir steuern unsere Cloud Services und Software Ansätze bei, Zeiss stellt die Brille an sich und die Chips, also die Hardware, zur Verfügung.

styleranking: Dieses Thema wird in der Theorie bereits seit geraumer Zeit gespielt. Wann kommt die Smart Fashion im Massenmarkt an?

Antje Hundhausen: Schaut man sich die Solar Wear an, findet man diese teilweise auf dem Markt. Aber verhältnismäßig wenig, weil Solarzellen bisher nicht biegbar waren. Mittlerweile sind sie so flexibel, dass man mit diesen Zellen eine Stoffoberfläche ausstatten kann, die Energie aus Sonnenlicht gewinnt. Solche Möglichkeiten möchten wir künftig auch in unser Merchandising aufnehmen. Die Smartwatch sehen wir ebenfalls als massentaugliches Thema. Auch die Materialwahl spielt in der Smart Fashion eine Rolle. Man kann nachhaltige und hochwertige Stoffe aus Algen produzieren, die den Körper mit Feuchtigkeit versorgen. Das stellt eine interessante Nische für unseren Partner Adidas und seine Fitnesskleidung dar.

Smartwatches, Solar Wear und nachhaltige Materialien zählen für Antje Hundhausen zu massentauglichen Produkten der Smart Fashion.   Copyright: Telekom Fashion Fusion

styleranking: In der Eröffnungsrede der Fashiontech Messe ist der Name des Designers Alexander McQueen im Zusammenhang mit Smart Fashion gefallen. Was sind die ungewöhnlichsten oder innovativsten Highlights in Smart Fashion, die Sie bisher erlebt haben?

Antje Hundhausen: Am spannendsten finde ich all das, was dem Kunden einen tatsächlichen Nutzen liefert. Kürzlich habe ich einen Handschuh für Taub-Blinde gesehen, mit dessen Hilfe sich das Lorm-Alphabet digital übersetzen lässt. Hier wird Digitalisierung im wahrsten Sinne des Wortes greifbar.

styleranking: Man hört oft, dass Mode das neue Kommunikationsmittel wird. Was genau bedeutet das?

Antje Hundhausen: Ich glaube, dass das Smartphone irgendwann im Museum landen wird. Unsere Prognose ist, dass sich Kommunikationstechnologie immer mehr in Kleidung und Accessoires wie Brillen oder Ringe verlagern wird. Also näher hin zum Körper und weg von Smartphones und Co. - viele Funktionen von Wearables werden in Kleidung integriert werden. Hier spielt das Thema Vernetzung eine große Rolle. Ich denke, es wird bald Schutzkleidung geben, die beispielsweise vor Gefahren warnt. Oder Jacken die ein Interface integriert haben, über das sich Botschaften empfangen und verschicken lassen. Wir beobachten in allen Bereichen, dass intelligente Technik immer kleiner und unsichtbarer wird. Schon heute lässt sich komplexe Technik in kleinen Accessoires verstecken.

"Der Verbraucher steht selbst in der Verantwortung, inwieweit er sich im Internet offenbart."

styleranking: Wie kann man dem Missbrauch sensibler Daten durch Smart Fashion vorbeugen?

Antje Hundhausen: Datenschutz ist bei der Telekom ein zentrales Thema. Wir arbeiten generell extrem sicherheitsorientiert. Der Kunde möchte wissen, wie wir mit seinen Daten umgehen. Er steht aber auch selbst in der Verantwortung, inwieweit er sich im Internet offenbart. Wir nehmen unsere Verantwortung als Treiber der Digitalisierung sehr ernst und bieten in diesem Zusammenhang Trainingsprogramme für Schulen. Dabei möchten wir dafür sorgen, dass die junge Generation verantwortungsbewusster mit ihren sensiblen Daten umgeht. Wir veranstalten auch Cyber Konferenzen für Kinder, um über das Thema Cyber-Mobbing aufzuklären.

styleranking: Lässt sich Smart Fashion genauso wie herkömmliche Mode etablieren?

Antje Hundhausen: Aktuell noch nicht. Aber Smart Fashion und die klassische Mode vernetzen sich immer mehr. Viele Modedesigner brechen durch den aggressiven E-Commerce und die Schnelllebigkeit der Mode durch Labels wie Zara oder Zalando zusammen. Die Branche sucht nach neuen Geschäftsmodellen und Alternativen. Eines Tages wird intelligente Mode ganz selbstverständlich in unseren Kleiderschränken hängen, aber bis dahin muss noch einiges an Pionierarbeit und Forschung geleistet werden.

Zum Schutz vor dem Missbrauch sensibler Daten setzt die Telekom auf verbraucherorientierte Konzepte.   Copyright: styleranking

styleranking: Wie verdient die Telekom mit Smart Fashion Geld?

Antje Hundhausen: Ich habe vorhin unsere Kooperation mit Zeiss erwähnt. Ein weiteres Beispiel wäre der Fußball-Club FC Bayern München. Die Spieler tragen Turnschuhe mit integrierten Chips. Die Daten dieser Chips können den Trainer bei der Aufstellung seiner Mannschaft unterstützen. Unser Thema lautet "Win with partners". Wir steuern bei Kooperationen also die Technik zur Konnektivität bei und entwickeln gemeinsam passende Softwarelösungen. Man könnte die Telekom als praxisorientieren Partner der ganzen Smart Fashion Szene bezeichnen. Dadurch ergibt sich vertraglich geregelt auch unsere Wertschöpfung.

styleranking: Was sind weitere Trends der Smart Fashion?

Antje Hundhausen: Die drei Kategorien des Fashion Fusion Awards zählen zu den Trendthemen. Insbesondere das Thema E-Commerce und Accessoires. Der potenzielle Kunde probiert als erstes kleine Accessoires aus. Sei es eine Handtasche oder ein Schmuckstück mit besonderer Funktionalität. Ich sehe gute Chancen für all jene Anbieter, die ihren Kunden einen echten Mehrwert bieten, der ihnen das Leben, die Ausübung ihres Hobbies oder Jobs dank Vernetzung und Digitalisierung erleichtert.

styleranking: Vielen Dank für das Gespräch.

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