Mercedes-Benz Fashion Week Berlin

Tod auf Raten oder Neubeginn? Hauptsponsor Mercedes-Benz verlässt die BFW

Von Daniel Verovic
08.06.2017 / 13:12 Uhr

Die Veranstalter der Mercedes-Benz Fashion Week und International Management Group (IMG) beenden nach zehn Jahren ihre Zusammenarbeit. Das berichten Medien wie die TextilWirtschaft, Welt und die Berliner Morgenpost. Der Automobilhersteller wolle sich verstärkt um die Nachwuchsförderung kümmern und bleibt der Berlin Fashion Week zumindest teilweise erhalten. Was dies für die Berliner Modewoche bedeuten kann.

Das große Schauenzelt vor dem Brandburger Tor: So werden wir diese Berlin Fashion Week künftig nicht mehr sehen.   Copyright: Andreas Rentz / Getty Imagages / Staff

Umgangssprachlich würde man sagen: „Die Spatzen pfeifen es seit langem vom Dach.“ Nach jahrelangen und hartnäckigen Gerüchten, Mercedes-Benz wolle aus der Berlin Fashion Week aussteigen, ist es nun tatsächlich soweit gekommen. Bereits im Januar 2017 wurde das für die BFW obligatorische Schauenzelt nicht aufgebaut und die Designerschauen in das Kaufhaus Jandorf verfrachtet. Hier werden die Schauen auch zur Sommerausgabe der Fashion Week wieder ausgerichtet. Kollektiv K-Geschäftsführer Benjamin Kuchenbäcker organisierte jahrelang regelmäßig Modeschauen, wie die Platform Fashion in Düsseldorf. Hier zeigen Designer wie Annette Görtz und Thomas Rath ihre Kollektionen. Für ihn bildet der Umzug in das Kaufhaus Jandorf "das i-Tüpfelchen" im Spannungsfeld zwischen Mercedes-Benz und IMG: "Es wurde bereits lange im Vorfall über den Wegfall von Mercedes-Benz gemunkelt. Vor allem nach dem Rückzug von der New York Fashion Week. Die neue Location im Kaufhaus Jandorf war für Mercedes-Benz sicherlich kein Wunschszenario. Dadurch verlor die BFW an Attraktivität und gilt nicht mehr als eine wichtige, große Veranstaltung."

Bereits im Januar 2017 wurden die großen Designerschauen der BFW in das Kaufhaus Jandorf verfrachtet. Sehr zum Missfallen vieler Designer.   Copyright: Cosima Scholz/styleranking

Die anstehende Mercedes-Benz Fashion Week vom 4.-7. Juli 2017 wird somit die letzte gemeinsam organisierte Modewoche sein. Ab Januar 2018 wird die Deutsche Modewoche voraussichtlich nur noch unter dem Namen Berlin Fashion Week laufen. Sofern kein neuer Hauptsponsor das Event finanzieren will. Glück im Unglück: Zumindest dem innerhalb der Branche hoch angesehenen Berliner Modesalon bleibt Mercedes-Benz als Sponsor treu. Die Gruppenausstellung wurde von Christiane Arp, Chefredaktion VOGUE Deutschland und Marcus Kurz, CEO Nowadays, 2015 initiiert und erfreut sich seitdem größter Beliebtheit innerhalb der Modebranche. Das dreitägige Modevent im Kronprinzenpalais ist die erste Adresse, wenn es um Nachwuchsförderung von Modedesignern wie Marina Hoermanseder, Lili Radu und William Fan geht. "Mit dem Berliner Modesalon haben die Veranstalter bewiesen, dass sie sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen können. Das Event passt sehr gut zu einem neuen Konzept und einer Verjüngungskur von Mercedes-Benz", sagt Benjamin Kuchenbäcker.

Im Stich gelassen oder eine neue Chance?

Einen faden Beigeschmack hinterlässt die Trennung dennoch. Denn die Zusammenarbeit von Mercedes-Benz und IMG bleibt bei den Modewochen in Sydney und Istanbul weiterhin bestehen. „Wir werden aber weiterhin mit IMG bei den Fashion Weeks in Syndey und Istanbul zusammenarbeiten", bestätigt eine Mercedes-Benz-Sprecherin der TextilWirtschaft. Schade, dass man ausgerechnet seinem Herkunftsland den Rücken zuwendet. Vielleicht ist der Weggang des Autoherstellers aber auch eine neue Chance für die Berlin Fashion Week. Weg von unnötigem Tamtam mit Semiprominenten, hin zu ernst zu nehmenden Modeschauen und international relevanten Modedesignern „Made in Germany“.

Follow us