Meinung

Warum Riccardo, Farina und Co. Instagram retten

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
26.02.2018 / 09:51 Uhr

Die Social-Media-Plattform Instagram hat den letzten Rest Authentizität verloren. Die virtuelle Influencerin Miquela Sousa aka lilmiquela baut sich eine Fangemeinde mit 607 Tausend Followern auf, arbeitet mit Labels wie Prada zusammen und ist auch noch als Musikerin erfolgreich. Vor allem und in erster Linie aber ist sie ein Fake.

Damit steht der weibliche Avatar symbolisch für unseren völlig überzogenen Anspruch an Perfektion. Letzterer erscheint offensichtlich wichtiger, als der Wunsch nach Authentizität. Ein Grund, Influencer wie Farina Opoku und Riccardo Simonetti für ihren beherzten Griff in die Realitäts-Kiste zu feiern. Denn echte Influencer aus Fleisch und Blut bewahren auf Instagram die viel besagte Authentizität.

Authentizität mit einem Avatar?

Der Siegeszug des Influencer Marketings hat Instagram zu einer der wichtigsten Werbeplattformen unserer Zeit gemacht. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen gecastete Stars das Gesicht einer TV-Kampagne werden und über Jahre hinweg mit ein und derselben Marke arbeiten. Das Marketing-Instrument der Gegenwart heißt Influencer. Eine Schauspiel-oder Moderatoren-Erfahrung oder eine lange Karriere im Showbusiness haben Influencer meist nicht vorzuweisen. Makellos wie ein designter Avatar sind diese Werbegesichter nicht. Doch genau darin liegt der Charme.

„Influencer haben ein besonderes Gespür für Trends und ein Auge für schöne Fotos. Die aktuellen Influencer kommen aus unseren Reihen, sie waren Verkäufer in einer Boutique oder Studenten. Wir haben also ähnliche Lebensläufe und Backgrounds. Diese Eigenschaften machen sie authentischer und nahbarer als die klassischen Promis und Stars, die durch ihre Schauspielkarriere oder auch peinliche Reality Shows bekannt wurden“, sagt Vanessa May, die bei styleranking als Influencer Marketing Manager arbeitet.

Behind the scenes: Riccardo Simonetti und Farina Opuko haben keine Probleme damit, sich ihrer Fangemeinde ganz natürlich zu präsentieren.   Copyright: Zacharie Scheurer / Getty Images

Perfektion aus Einsen und Nullen

Jetzt kommt Miquela Sousa. Seit dem Launch der virtuellen Influencerin brauchen sich Werbetreibende keine Sorgen mehr um Makel machen. Miquela hat alles, was das Influencer-Marketing-Herz begehrt. Eine Followerschaft, die die einer Veronika Heilbrunner, Lena Lademann oder Lisa Hahnbück weit übersteigt. Einen perfekten 19-jährigen Body, an dem jedes Designerteil fabelhaft aussieht. Einen coolen Lifestyle, inklusive Wohnsitz in LA und eine Vorliebe für Contemporary Art und Nachwuchsdesigner. Als wäre das nicht genug, engagiert sie sich außerdem für Genderthemen oder gegen Rassismus. Ihr Job: Model. Sie singt auch und belegt mit ihrer Single Not Mine Platz 8 der Spotify Charts im August 2017.

Miquela verkörpert das, was erstrebenswert scheint. Der einzige Hacken: Sie ist nicht echt. Miquela besteht ausschließlich aus Einsen und Nullen. Wer sie steuert, ist unbekannt. Das scheint ihre Follower nicht zu stören. Zu groß ist der Wunsch nach Vollkommenheit und Perfektion, den Instagram wie keine zweite Plattform bedient.

Seit es Miquela gibt, scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis Marken die Möglichkeit zu makellos programmierter Werbung entdecken. Im Interview mit Business of Fashion sagt Miquela, sie sei noch keine bezahlten Kooperationen eingegangen. Sie verrät aber, dass Shootings mit Fendi, Versace, Burberry, Chanel und Moschino in Planung sind. Diese Werbung lässt sich perfekt programmieren. Sie muss nicht auf menschliche Befindlichkeiten Rücksicht nehmen.

Wer rettet Instagram?

Wer das reflektiert, kann sich nur wünschen, dass die Bedeutung von Influencern wie Farina Opoku von Nova Lana Love oder Riccardo Simonetti ins Unermessliche wächst. Blogger und Entertainer Riccardo Simonetti zelebriert unter dem Hashtag #riccardofällt alltägliche Missgeschicke und begeistert mit einem Account der nach dem Motto Sein statt Schein funktioniert. 120 k Follower danken es ihm.

Farina Opoku amüsiert auf ihrem zweiten Instagram-Account Never Failed So Good mit Fotos, die mit Perfektion ebenso wenig zu tun haben wie Miquela mit Realität. Herrlich sympathisch und nahbar wird hier deutlich, welche Wahrheiten sich hinter perfekten Selfies verstecken.

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