Digitale Welt

Zeit für Digital Detox: Warum das Smartphone deinem Erfolg im Weg steht

Von Franziska Gajek
05.12.2017 / 12:21 Uhr

Der Wecker klingelt. Also die Funktion im Smartphone. Ein kurzer Klick und schon verstummt nicht nur das nervige Klingeln. Der Bildschirm erleuchtet und eine schier nicht enden wollende Welt von News, E-Mails, Sprachnachrichten und Kalendereinträgen entfaltet sich in unseren Händen. Wir tauchen ein in die digitale Welt, die eng mit unser aller Leben verwoben ist. Viele nennen das "digitale Transformation". Diese hat sich in jedem Winkel der modernen Welt niedergelassen. Und gefährdet unser aller Erfolg. Wir leisten viel und stehen ständig für jeden zur Verfügung. Platz für Langeweile bleibt da kaum noch. Das hat zur Folge, das keine kreativen Ideen mehr entstehen.

Ohne Handy, Laptop oder Tablet? Ohne mich. Der Bedarf dauerhaft digital ausgestattet zu sein ist groß.   Copyright: Shutterstock

Das bestätigt auch jener Eindruck, der nach dem neuen Kongressformat Re’aD Summit des Deutschen Mode-Instituts haften bleibt. Es geht um die angewandte digitale Transformation. Um die Chancen und Perspektiven unseres digitalen Zeitalters.

"Unternehmen und Einzelpersonen müssen am Puls der Zeit agieren. Sonst verlieren sie ihre Relevanz", sagt Hagen Rickmann, Geschäftsführer der Telekom. Er findet noch deutlichere Worte: "Wer nicht mitmacht, kommt irgendwann nicht mehr vor." Die Befürworter technischer Innovationen sprechen auf dem Summit mit lauter Stimme.

Auch Stephan Grünewald vom Rheingold Institut würdigt jene atemberaubenden Möglichkeiten, die unsere Welt für Geschäftsleute und Privatpersonen bereit hält. Er betrachtet die Entwicklungen unsere Welt jedoch auch durch die psychologische Brille. Auf dem Re’aD Summit spricht er nicht darüber, was wir mit der Technik anstellen können, sondern darüber, was die Technik mit uns anstellt.

Auf dem Re'aD Summit des Deutschen Mode-Instituts präsentieren die Unternehmen bahnbrechende Innovationen, die auch und vor allem in der Textilbranche eingesetzt werden.   Copyright: DMI / Deutsches Mode-Institut

Was passiert auf Instagram? Welcher Promi hat gerade ein Kind bekommen und wer hat sich getrennt? Was ziehe ich heute an? Pinterest hat sicher in paar Ideen. Und wofür muss ich mich überhaupt kleiden? Ah, ein Termin mit dem Chef, sagt der Kalender voraus. Noch schnell die Nachrichten checken. Und zwei WhatsApp-Nachrichten beantworten. Wir geistern bereits durch virtuelle Sphären, lange bevor wir unseren ersten Kaffee getrunken oder gar das Bett verlassen haben. Passenderweise spricht Grünewald von einem neuen Körperteil, dass wir in Form unseres Smartphone mit uns herumtragen.

Neben dem Smartphone beschert uns die digitale Rundumversorgung aber noch etwas ganz anderes: Macht. Wir haben das Gefühl, ständig überall sämtliche Informationen dieser Welt abrufen zu können. Mit dem Smartphone halten wir, zumindest gefühlt, das Wissen der Welt in unseren Händen. Kein Wunder also, das wir das kleine Ding gar nicht mehr aus den Händen legen möchten. Das Smartphone erleichtert unser Leben ungemein, Innovationen wie Alexa setzen sogar noch einen oben drauf. Das mündet in eine selbst geschaffene Abhängigkeit, gibt Grünewald zu bedenken. Betrifft mich nicht, denkst du jetzt? Kannst du dich an einen Tag in nicht allzu ferner Vergangenheit erinnern, an dem du kein Handy in der Hand gehabt hast?

Stephan Grünewald begeistert das Publikum auf dem Re’aD Summit des Deutschen Mode-Instituts.

Wir sind längst abhängig. Ist ja auch alles so furchtbar bequem. Wäre da nicht ein entscheidendes Problem: Der Algorithmus zählt heute mehr, als der Biorhythmus. Wir sind zwar 24/7 erreichbar, hoch effizient und können ständig von überall arbeiten. Aber wir achten kaum noch auf uns selbst. Es sei denn, wir erhalten einen Warnhinweis von der Smartwatch.

Außerdem, gibt Grünewald weiter zu bedenken, büßen wir die Kunst des Müßiggangs ein. Also Langeweile. Momente, in denen wir einfach gar nichts machen, außer aus dem Fenster zu schauen. Minuten ganz ohne digitale Versorgung. Wozu das gut sein soll? Es dient der Kreativität. Denn ohne einen ausgewogenen Mix aus Betriebsamkeit und Innehalten, so der Experte vom Rheingold Institut, sind wir nicht in der Lage kreative Ideen zu entwickeln. Ohne die berühmte kreative Pause verlieren wir die Fähigkeit, neue Dinge zu etablieren, querzudenken und zu erfinden.

Die digitale Betriebsamkeit ist permanent präsent. Dabei sollten wir einfach mal abschalten.   Copyright: Shutterstock

So eine kurzfristige Digital Detox-Kur erfordert natürlich einiges an Kraft. Sich zu langweilen, ganz bewusst, ist nervenaufreibend.

Wir werden nicht schlauer, wenn wir Probleme wegwischen. Unsere Gehirnzellen brauchen Gedanken, die wir wälzen. Grünewald sagt, wir würden Problemen ausweichen. Leerlauf werde mit dem Handy gefüllt. Sinnvoller wäre es, wenn wir in Pausen unangenehme Gedanken wieder aufnähmen und nach Lösungen suchten.

Mit ein bisschen Übung strömen dann auch wieder kreative Gedanken, es etablieren sich neue Sichtweisen und Ideen. Die lassen sich dann dank der phänomenalen Technik, die uns heute zur Verfügung steht, blitzschnell festhalten und umsetzten. Warum also nicht den Chef mit genialen Einfällen überraschen, ein lang aufgeschobenes Projekt endlich mit der zündenden Idee zu Ende bringen? Warum nicht das perfekte Geschenk für den Liebsten finden oder einfach nur für einige Minuten zur Ruhe kommen? Machtvoll sind wir nämlich nicht aufgrund des Smartphones in den Händen. Wir sind es dank der genialen Technik in unserem Kopf.

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